Warnung vor geschäftlichen Aktivitäten auf Réunion !

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Moderator: Deborah Imig

Beitragvon Titus » Mittwoch, 05. Sep 2007 07:19

Gérard hat geschrieben:Die Insel Réunion ist sicher eine der schwierigsten Geschäftsregionen der Welt! !

Einspruch, Gerhart !
Gehört nicht gerade zu den schwierigsten Ecken der Erde, aber auch nicht zu den Leichtesten. Sagen wir einfach: solides Mittelfeld

Solian hat geschrieben:Wenn diese da (oder auch in einer romantischen Holzfällerhütte in Kanada) Schiffbruch erlitten, war dann immer das Land schuld.

Vereinzelte Holzfäller sind mir auch schon hier untergekommen...

Solian hat geschrieben:.
Für mich stellt sich die Frage, ob ich als Gründer eines seit über 20 Jahrzehnten bestehenden und gut wirtschaftenden Betriebs im Bereich Kunststoffverarbeitung das Gleiche noch mal auf Reunion schaffen würde.

Klar, es geht (gibt ja auch einige kunststoffverarbeitende Betriebe hier)

Die Frage ist nur, unter welchem Aufwand.

Grundfrage wäre von mir wäre erst einmal: welche Produkte?

Alles was nicht für den lokalen Markt bestimmt ist, würde ich sofort ausschliessen, aus standortbedingten Nachteilen gegenüber der Konkurrenz (Frachtkosten, Lieferzeiten, etc.)

Bei Produkten für den lokalen Markt muss man natürlich zunächst den Absatz/Konkurrenz unter die Lupe nehmen.
Die Insel ist ja nicht sehr bevölkerungsreich mit rund 750.000 Einwohnern, und die Maschinen/Formen, etc. sind ja auch nicht gerade billig.

Also kommen praktisch nur Massengüter in Frage, bzw. Produkte deren Import sehr frachtaufwendig ist.

Von diesen gibt es eigentlich aber auch schon Hersteller vor Ort, z.B. Plastiktaschen, und -tüten und Verpackungen, Polystyreneverpackungen, PVC-Rohre, Wasserreservoirs und Kunststoffklärgruben, etc. (u.a. Bourbon Industries in Bras Panon (?) ist hauptsächlich in der Kunststoffverarbeitung tätig)

Sicherlich gibt es auch da noch einige Nischen, wo genug Absatz möglich wäre um die Investitionen zu rentabilisieren, und wo einfach noch niemand.... einfach dran gedacht hat.

Aber Solian, was auf Dich noch zukommen würde sind die speziellen Steuerregelungen, und auch Hilfen.
Da muss man schon fast Buchhalterzu sein, um dort noch durchzusteigen, und man muss sich auf einen langen Kampf (und Krampf) mit Behörden einstellen.
Nicht jeder hat Lust (und Energie) dazu.

In Deinem konkretem Fall (Industrie) kannst Du verschiedene Hilfen und Exenorationen erhalten - auf diese zu verzichten wäre Selbstmord - und diese alle zu erhalten würde Dich glatt ein Jahr kosten.

Zudem wirst Du noch Investmentfirmen aufziehen müssen, um diese voll auszuschöpfen zu können.

So können Investitionen im Industriebereich bis zu 70% von der Steuer abgesetzt werden.
Bei uns ist es ziemlich normal eine "Investmentfirma" zu diesem Zweck zu gründen, und über Investoren die Maschinen und Investitionen tätigen zu lassen, welche einzig und alleine die Steuervorteile ausschöpfen.
Die Investmentfirma vermietet anschliessend die Maschinen an den Industriebetrieb.
Da Du selbst (wahrscheinlich) im Moment keine Steuern in Frankreich zahlst, hast Du diesen Vorteil nicht.
Also müsste Du auch diesen Weg gehen, um das beste aus diesem Vorteil rauszuschlagen. (es gibt aber auch spezialisierte Konsultingfirmen hierfür).
Leider gab's in der Vergangenheit aber auch einige Betrugsfälle in diesem Bereich, was es heute schwieriger gestaltet solch eine Investmentfirma aufzuziehen.

Dann musst Du natürlich noch eine Befreiung vom "Octroi de Mer" (einer Art lokalen Zollabgabe) beantragen und erhalten.
Du bekommst nach Bewilligung sowohl die Maschinen und Verbrauchsmaterial zollfrei "auf die Insel".
Ohne diese wird ein Regelzollsatz von rund 6.5% (Durchschnittswert) fällig.

Weiter geht's mit Gewerbesteuerbefreiungen, Teilbefreiungen von Lohnnebenkosten, Sozialabgaben, und natürlich dann noch unsere liebe "TVA non percue mais recuperable", d.h. : nicht abgeführte Mehrwertsteuer, aber als Vorsteuer abziehbare MWSt.
Das gibt es bei einigen Anlagen und Maschinen, und ist (praktisch) eine Subvention von 8.5% auf die Anlagen.
Du bezahlst zwar nicht die MWST auf diese, kannst den Betrag aber als Vorsteuer in Abzug bringen.

Das sind jetzt nur die wichtigsten der "Hilfen" - aber die Konkurrenten schöpfen diese voll aus, und man muss das auch machen, um keine Nachteile zu haben.
Das bedeutet dann aber auch einen Kampf und Krampf mit den Behörden, der Dich am Ende die Lust verlieren lassen kann.

Und rechne gerne schon mal ein Jahr ein, um das alles unter Dach und Fach zu bringen.

Kannst aber gerne mal die Honorarkonsulin von Deutschland in St.Denis fragen. Sie ist Deutsche, lebt aber schon sehr lange in Frankreich und Reunion - und ist Steuerberaterin. Sie ist also vom Fach und kennt sich sehr gut darin aus.

Trotzdem, wenn man in dem System nicht drin ist, wirst Du Dir wahrscheinlich irgendwann die Frage stellen:
"Mensch, hätte ich meine Maschinen einfach nach Malaysia (oder Mexico, oder Tunesien.... ) verschifft, auf alle Hilfen und sonstiges verzichtet, dort schnell meine Fabrik hochgezogen, dann hätte ich am Ende nur halb soviel Lauferei gehabt, und die Kosten wären auch nicht höher gewesen (u.a. wegen niedrigen Löhnen, Baukosten oder Mieten für Fabrik, etc.)

Und die Sonne scheint dort auch... und die Produktion wäre 5 Monate früher angelaufen...

Solian hat geschrieben:Meine Frau besitzt fundiertes kaufmännisches Wissen, Bereich Gesundheitswesen.
Wie sähe es dort mit einer Betätigungsmöglichkeit aus?

Geht es da um Aussen- oder Innendienst im Pharmavertrieb, oder medizinischen Geräten?
Oder mehr medizinisches Sekretariat, z.B. Arzthelferin, etc.

Natürlich gibt es Beides hier - aber im kaufmännischen sind gute Französischkenntnisse unerlässlich.
Titus
 
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Beitragvon Solian » Dienstag, 30. Okt 2007 14:40

Hallo,
hab gerade gesehen, daß ich mich für die Antworten noch gar nicht bedankt habe.
Das tue ich hiermit.

Unter dem Strich hat sich für uns herausgestellt, das wir die Insel des Landes und der Leute wegen unbedingt einmal besuchen möchten.
Als Ziel unserer wirtschaftlichen Zukunft kommt sie aber wohl nicht in Frage.
Da haben wir jetzt konkrete Infos aus Kanada. Wer in Deutschland gelernt hat, finanziell mit dem Kopf über Wasser zu bleiben, kann dort mit einigem Fleiß zu Wohlstand kommen.

Ist dann aber wieder ein anderes Thema.

Viele Grüße Solian
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Re: Warnung vor geschäftlichen Aktivitäten auf Réunion !

Beitragvon denis » Donnerstag, 02. Feb 2012 20:39

Hallo,
ich bin deutsch franzose und gärtner und vorallem mit einer reunionaise zusammen. Wir trâumen davon auf der insel zu leben. Nur ist der beruf eine heikele frage. Was haltet ihr von Gartenpflege so wie ich es hier in frakreich mache, d.h. bei privatleute den garten suber halten. Zuruckschneiden,rasen mähen, baume faellen usw.
Eine andere idee wären meine sprachkentnisse einzusetzen, ich spreche perfekt franz und dtsch.Welche erfahrungen liegen darueber vor. Fremdsprachen assistent, uebersetzer, lehrer?
ich freue mich ueber jegliche anregung.

bis bald Denis
denis
 
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Re: Warnung vor geschäftlichen Aktivitäten auf Réunion !

Beitragvon Titus » Freitag, 04. Mai 2012 08:16

denis hat geschrieben:....Was haltet ihr von Gartenpflege so wie ich es hier in frakreich mache, d.h. bei privatleute den garten suber halten. Zuruckschneiden,rasen mähen, baume faellen usw.


Eine andere idee wären meine sprachkentnisse einzusetzen, ich spreche perfekt franz und dtsch.Welche erfahrungen liegen darueber vor. Fremdsprachen assistent, uebersetzer, lehrer?
ich freue mich ueber jegliche anregung.

bis bald Denis

Gärtnerei.
Ja, mal los, Denis, das läuft hier ! In meinen Viertel gibt es zwar einen ganzen Haufen Sozialhilfeempfänger, die sich vor der Boutique langweilen, aber man kriegt niemanden, der einem mal 2 oder 3h "mit der Motorsense durch den Garten" fegt.

Gibt zwar ein paar Firmen, aber die sind teuer.
Mein Tipp: Kleiner Lieferwagen, C15, oder ähnliches, Grundausrüstung: Rasenmäher (Benziner), Motorsense, Motorsäge, etc. und schwarz arbeiten ! Feste Kunden suchen. Zettel in Briefkästen schmeissen, oder in den Geschäften aufhängen (sieht man manchmal, sind immer 5-6 von den Telefon-nummern "abgetrennt").
Gibt viele Leute mit "2 linken Händen", oder alleinstehende Frauen, mit grossem Garten. Meine Nachbarin bräuchte auch einen Gärtner, ihr Ehemaliger ist schon vor 2 Jahren gestorben, sie hat anscheinend noch keinen Neuen gefunden. Seitdem verwuchert das dort..... (und ich krieg' die Mücken ab....)

Mit einer Motorsäge könntest bei mir auch mal vorbeikommen, will auch schon längere Zeit ein paar Bäume umhacken, und habe keine Eigene.
Kapitalbedarf: ab 5000 Euronen, dann müsste das Klappen.... Lieferwagen (alter gebrauchter: rechne mal rund 3000, Maschinen, ca. 1200 für die Mindestausrüstung, besser wäre wohl 2000 dafür auszugeben, + ein bisschen Reserve.
Motorsensen gibt es mal in der Promo ab 150 Euros (chinesische) , Marken ca. 450 muss man rechnen (ich bin mit meiner Marunaka/Kawasaki Motor hochzufrieden, kostet aber fast 500) , Rasenmäher ungefähr genauso , Promo aber auch mal ab 330 zu bekommen. Sägen: kannst ja ein wenig später kaufen, aber auch so ab 350-450 Euro ungefähr. Meide hier Stihl, der Importeur verarscht einen mit den Ersatzteilen !

Das Sprachzeugs vergiss mal, kein Bedarf, ausser du hast ein Lehrerdiplom (= dann ans Rektorat treten).
Titus
 
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